Update: Das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 – Förderung, ETFs, Steuern und die entscheidenden Nachteile
Aktualisiert: 29. Aug.
Ab 2027 wird die staatlich geförderte private Altersvorsorge in Deutschland grundlegend umgebaut. Das neue Altersvorsorgedepot kommt – und erstmals lässt sich staatliche Förderung mit einer echten kapitalmarktorientierten Anlage ohne verpflichtende 100-Prozent-Beitragsgarantie verbinden.
Das ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber Riester.
Trotzdem gilt auch hier ein Grundsatz, den ich bei Altersvorsorge für entscheidend halte:
Eine Förderung macht ein Produkt nicht automatisch gut.
Denn entscheidend ist nicht, wie viel Geld der Staat heute dazugibt. Entscheidend ist, was nach 20, 30 oder 40 Jahren nach Kosten und Steuern tatsächlich zur Verfügung steht – und welche Möglichkeiten man bis dahin aufgegeben hat.
Genau deshalb schauen wir uns das neue Altersvorsorgedepot einmal vollständig an.
Das Altersvorsorgedepot kommt ab 2027
Die Reform ist inzwischen beschlossen. Die neuen Produkte sollen ab 1. Januar 2027 angeboten werden.
Das Altersvorsorgedepot ist also keine politische Idee mehr, sondern wird Teil der geförderten privaten Altersvorsorge.
Einzelne Details der praktischen Umsetzung, insbesondere rund um das öffentlich organisierte Standarddepot, werden allerdings noch konkretisiert.
Was ist das neue Altersvorsorgedepot?
Vereinfacht gesagt handelt es sich um einen staatlich geförderten Altersvorsorgevertrag, innerhalb dessen das Geld am Kapitalmarkt investiert werden kann.
Das Entscheidende:
Eine 100-Prozent-Beitragsgarantie ist nicht mehr verpflichtend.
Damit können beispielsweise Aktienfonds und ETFs genutzt werden, ohne dass wegen einer Garantie ein großer Teil des Vermögens zwangsläufig defensiv investiert werden muss.
Und genau das war eines der großen Probleme von Riester.
Garantien vermitteln Sicherheit, können bei einer Laufzeit von 30 oder 40 Jahren aber erhebliche Rendite kosten.
Deshalb halte ich den Wegfall der verpflichtenden Garantie grundsätzlich für richtig.
Wer Sicherheit möchte, kann weiterhin Garantieprodukte wählen. Wer bewusst die Chancen des Kapitalmarktes nutzen möchte, bekommt aber erstmals eine echte geförderte Alternative.
Wie hoch ist die Förderung?
Das Fördersystem wird deutlich einfacher.
Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr gibt es einen Zuschuss von 50 Prozent.
Aus 360 Euro Eigenbeitrag werden damit 540 Euro.
Für den Teil des Eigenbeitrags zwischen 360 und 1.800 Euro jährlich gibt es weitere 25 Prozent Förderung.
Bei 1.800 Euro Eigenbeitrag sieht die Rechnung damit so aus:
360 € × 50 % = 180 € Förderung
1.440 € × 25 % = 360 € Förderung
Gesamtförderung: 540 Euro pro Jahr
Du zahlst also 1.800 Euro ein und es landen zunächst 2.340 Euro im Vertrag – bevor überhaupt eine Kapitalmarktrendite entstanden ist.
Das entspricht bezogen auf deinen Eigenbeitrag einer unmittelbaren Zulage von 30 Prozent.
Das ist attraktiv.
Und deshalb wäre es genauso falsch, das neue Altersvorsorgedepot grundsätzlich schlechtzureden.
Auch kleine Sparraten werden gefördert
Der Mindestbeitrag beträgt 120 Euro jährlich, also gerade einmal 10 Euro im Monat.
Wer 120 Euro einzahlt, erhält darauf 60 Euro Grundzulage.
Gerade für Menschen, die zunächst mit kleinen Beträgen starten möchten, ist das interessant.
Gleichzeitig wird die Förderung wesentlich leichter verständlich als das bisherige Riester-System.
Besonders interessant für Familien
Zusätzlich zur Grundförderung sind bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind und Jahr möglich.
Nehmen wir beispielsweise eine Familie mit zwei förderfähigen Kindern und dem maximal geförderten Eigenbeitrag:
540 € Grundzulage
300 € Kinderzulage
300 € Kinderzulage
= 1.140 Euro staatliche Zulagen pro Jahr.
Spätestens bei solchen Beträgen muss man genauer hinschauen.
Gerade für Familien kann das Altersvorsorgedepot deshalb ausgesprochen interessant werden.
Aber auch hier gilt:
1.140 Euro Förderung bedeuten noch nicht automatisch, dass das Produkt langfristig die beste Lösung ist.
Dazu später mehr.
Berufseinsteiger erhalten einen zusätzlichen Bonus
Wer vor seinem 25. Geburtstag einen entsprechenden Vertrag abschließt, kann zusätzlich einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro erhalten.
Das allein ist natürlich kein Grund, einen Vertrag abzuschließen.
Als zusätzlicher Förderbaustein ist es aber durchaus interessant.
Auch Selbstständige werden einbezogen
Eine weitere wichtige Verbesserung betrifft die Förderberechtigung.
Künftig werden auch deutlich mehr Selbstständige, Gewerbetreibende, Freiberufler und Angehörige berufsständischer Versorgungseinrichtungen einbezogen.
Das ist ein klarer Fortschritt gegenüber Riester.
Gerade für Selbstständige entsteht damit eine zusätzliche Möglichkeit neben einem normalen ETF-Depot, einer ETF-Police, einer Basisrente oder anderen Vorsorgeformen.
Der Steuervorteil während der Ansparphase
Neben der direkten Förderung gibt es einen weiteren Vorteil:
Innerhalb des Altersvorsorgedepots werden Kursgewinne und Erträge während der Ansparphase nicht laufend besteuert.
Das Kapital kann also innerhalb des Systems weiterarbeiten, ohne dass beispielsweise bei Umschichtungen unmittelbar Steuern anfallen.
Über mehrere Jahrzehnte kann dieser Steuerstundungseffekt erheblich sein.
Aber hier ist eine Unterscheidung wichtig:
Die Steuer verschwindet nicht. Sie wird verschoben.
Was passiert steuerlich im Alter?
Die Leistungen aus dem Altersvorsorgedepot werden später grundsätzlich nachgelagert mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.
Und spätestens an diesem Punkt wird ein vernünftiger Vergleich komplizierter.
Denn jetzt reicht es nicht mehr zu sagen:
„Ich bekomme 540 Euro vom Staat und beim normalen Depot bekomme ich nichts.“
Man muss Ansparphase und Auszahlungsphase betrachten.
Und genau hier können andere Altersvorsorgelösungen erhebliche Vorteile haben.
Warum meine Form der ETF-Police weiterhin interessant bleibt
Ich arbeite bei langfristiger Altersvorsorge unter anderem mit einer speziellen Form der ETF-Police.
Und die verliert durch das neue Altersvorsorgedepot keineswegs automatisch ihre Berechtigung.
Im Gegenteil.
Bei entsprechender Gestaltung können dort steuerliche Möglichkeiten bestehen, die das Altersvorsorgedepot nicht bietet.
Dazu gehören insbesondere:
eine bis zu 100 Prozent steuerfreie Auszahlung des Vertragsvermögens,
eine einkommensteuerfreie Übertragung des Vermögens im Todesfall
und
eine steuerlich optimierte Gestaltung der späteren Auszahlungsphase.
Gerade über sehr lange Laufzeiten können diese Punkte einen enormen Unterschied machen.
Denn irgendwann sprechen wir nicht mehr über 540 Euro Förderung im Jahr.
Wir sprechen möglicherweise über mehrere Hunderttausend Euro aufgebautes Vermögen.
Und dann kann die steuerliche Behandlung dieses Vermögens wesentlich wichtiger werden als die Förderung während der Ansparphase.
Das bedeutet ausdrücklich nicht:
ETF-Police ist immer besser.
Aber genauso wenig bedeutet staatliche Förderung:
Altersvorsorgedepot ist immer besser.
Es kommt auf die konkrete Situation und vor allem auf die konkrete Vertragsgestaltung an.
Kann ich jederzeit an mein Geld?
Nein.
Und das ist einer der größten Unterschiede zu einem normalen ETF-Depot.
Das Altersvorsorgedepot ist ein zweckgebundener Altersvorsorgevertrag.
Das Geld soll für die Altersvorsorge verwendet werden und kann deshalb nicht einfach jederzeit vollständig entnommen werden.
Wer das Kapital vorher förderschädlich verwendet, muss mit der Rückzahlung von Zulagen und gegebenenfalls gewährten steuerlichen Vorteilen rechnen.
Und genau hier zeigt sich der eigentliche Preis der Förderung:
Du bekommst Geld vom Staat und gibst dafür einen Teil deiner finanziellen Freiheit auf.
Ob dieser Tausch sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Situation ab.
Wie funktioniert die Auszahlung?
Zu Beginn der Auszahlungsphase können bis zu 30 Prozent des vorhandenen Kapitals auf einmal entnommen werden, ohne dass dadurch automatisch die Förderung verloren geht.
Für das übrige Kapital gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.
Neben einer lebenslangen Leibrente kann ein Auszahlungsplan gewählt werden.
Dieser muss grundsätzlich mindestens bis zum 85. Lebensjahr laufen.
Das halte ich für eine wesentliche Verbesserung gegenüber klassischen geförderten Rentenmodellen.
Denn ein verpflichtender Verrentungsmechanismus kann teuer sein und nimmt dem Kunden Kontrolle über sein Vermögen.
Aber was passiert, wenn ich älter als 85 werde?
Hier muss man den Unterschied zwischen Auszahlungsplan und lebenslanger Rente verstehen.
Eine lebenslange Rente sichert das sogenannte Langlebigkeitsrisiko ab.
Sie zahlt grundsätzlich weiter, egal wie alt du wirst.
Ein Auszahlungsplan kann dagegen irgendwann aufgebraucht sein.
Dafür kann er mehr Flexibilität und gegebenenfalls höhere Auszahlungen ermöglichen.
Es gibt deshalb nicht grundsätzlich die bessere Variante.
Die Frage lautet vielmehr:
Möchte ich maximale Kapitalflexibilität oder maximale Absicherung meines Langlebigkeitsrisikos?
Was passiert im Todesfall?
Auch die Vererbung muss in die Betrachtung einbezogen werden.
Das Vermögen aus dem Altersvorsorgedepot kann grundsätzlich vererbbar sein. Bei einer normalen Vererbung können jedoch erhaltene Zulagen und steuerliche Vorteile wieder relevant beziehungsweise zurückzuzahlen sein.
Für Ehepartner bestehen besondere Übertragungsmöglichkeiten.
Und auch hier zeigt sich wieder ein möglicher Vorteil einer entsprechend gestalteten ETF-Police:
Das vorhandene Vermögen kann dort – abhängig von der konkreten Gestaltung – einkommensteuerfrei auf die begünstigten Personen übergehen.
Gerade bei größeren Vermögen sollte man diesen Punkt nicht ignorieren.
Das Standarddepot: maximal 1 Prozent Kosten
Neben individuell gestalteten Altersvorsorgedepots wird es ein sogenanntes Standarddepot geben.
Es soll insbesondere für Menschen gedacht sein, die sich nicht intensiv mit Kapitalanlage beschäftigen möchten.
Die Effektivkosten dieses Standarddepots dürfen maximal 1,0 Prozent pro Jahr betragen.
Das ist grundsätzlich positiv.
Trotzdem:
1 Prozent Kosten pro Jahr ist nicht günstig, nur weil der Gesetzgeber es als Obergrenze festlegt.
Ein breit gestreuter ETF selbst kostet häufig nur etwa 0,1 bis 0,3 Prozent jährlich.
Ein Unterschied von beispielsweise 0,7 oder 0,8 Prozentpunkten klingt zunächst klein.
Über 30 oder 40 Jahre kann daraus aber ein Unterschied von vielen Zehntausend Euro entstehen.
Scalable kündigt ein nahezu kostenloses Altersvorsorgedepot an
Besonders interessant ist deshalb die Ankündigung von Scalable Capital.
Scalable hat angekündigt, sein Standard-Altersvorsorgedepot ohne eigene Gebühren für Depot, Konto, Käufe, Verkäufe und Sparpläne anbieten zu wollen.
Nach der bisher angekündigten Preisstruktur sollen lediglich die laufenden Kosten der eingesetzten ETFs anfallen, wobei diese auf maximal 0,15 Prozent jährlich begrenzt sein sollen. Im ersten Jahr sollen sogar diese ETF-Kosten übernommen werden.
Das ist eine starke Ansage.
Und wenn das Produkt 2027 tatsächlich so umgesetzt wird, dürfte es den Kostendruck auf andere Anbieter erheblich erhöhen.
Denn dann wird die Frage berechtigt sein:
Warum sollte ich ein Altersvorsorgedepot mit beispielsweise 0,8 oder 1,0 Prozent Effektivkosten wählen, wenn ich eine vergleichbare Kapitalmarktanlage möglicherweise für einen Bruchteil davon bekommen kann?
Aber genau an dieser Stelle sollten wir nicht den nächsten Denkfehler machen.
„Kostenlos“ ist nicht automatisch die günstigste Entscheidung
Ein Produkt kann auf dem Papier praktisch nichts kosten und trotzdem langfristig teurer sein als eine Alternative mit höheren sichtbaren Kosten.
Warum?
Wegen der sogenannten Opportunitätskosten.
Der Begriff klingt kompliziert, beschreibt aber etwas sehr Einfaches:
Was entgeht mir dadurch, dass ich mich für diese Lösung und gegen eine andere entscheide?
Angenommen, das Altersvorsorgedepot kostet nahezu nichts.
Das ist hervorragend.
Wenn ich dadurch aber später auf einen steuerlichen Vorteil einer anderen Lösung verzichte, mein Vermögen weniger flexibel nutzen kann oder bei Auszahlung und Vererbung steuerlich schlechter gestellt bin, dann hat diese Entscheidung trotzdem einen Preis.
Nur steht dieser Preis auf keiner Kosteninformation.
Opportunitätskosten können viel höher sein als Produktkosten
Nehmen wir zwei Lösungen, die langfristig nahezu identisch in ETFs investieren.
Lösung A:
nahezu keine Produktkosten
staatliche Förderung
steuerfreie Ansparphase
– nachgelagerte Besteuerung
– eingeschränkte Verfügbarkeit
– gesetzliche Vorgaben bei der Auszahlung
Lösung B:
etwas höhere Vertragskosten
– keine staatliche Förderung
steuerliche Vorteile bei der Auszahlung
steueroptimierte Entnahmemöglichkeiten
einkommensteuerfreie Übertragung im Todesfall
andere Möglichkeiten bei Flexibilität und Vertragsgestaltung
Wenn man nur die Kosten betrachtet, gewinnt Lösung A sofort.
Wenn man nur die Förderung betrachtet, ebenfalls.
Aber das ist keine vollständige Finanzplanung.
Über 30 oder 40 Jahre können steuerliche Unterschiede auf ein sechs- oder sogar siebenstelliges Vermögen erheblich größer sein als einige Zehntel Prozent Kosten oder mehrere Hundert Euro jährliche Förderung.
Genau das sind Opportunitätskosten.
Sie werden nicht vom Konto abgebucht.
Sie stehen nicht in der Kostenquote.
Und trotzdem können sie am Ende sehr hoch sein.
Deshalb reicht auch „kostenlos“ als Verkaufsargument nicht
Ich begrüße es ausdrücklich, wenn Anbieter wie Scalable den Preiswettbewerb verschärfen.
Ein extrem günstiges Altersvorsorgedepot kann in Verbindung mit staatlicher Förderung ausgesprochen attraktiv sein.
Aber ich würde auch ein kostenloses Altersvorsorgedepot nicht allein deshalb abschließen, weil es kostenlos ist.
Genauso wenig würde ich eine ETF-Police abschließen, nur weil sie einen interessanten steuerlichen Vorteil bietet.
Die entscheidende Frage lautet immer:
Was kostet mich meine Entscheidung insgesamt – einschließlich der Vorteile, auf die ich dadurch verzichte?
Das ist der Unterschied zwischen einem Produktvergleich und echter Altersvorsorgeplanung.
Was ist mit einem normalen ETF-Depot?
Auch das gehört unbedingt in den Vergleich.
Ein normales ETF-Depot bekommt keine staatliche Förderung.
Dafür bietet es etwas, das weder das Altersvorsorgedepot noch jede Versicherungslösung in gleicher Form bieten kann:
maximale Freiheit.
Du kannst grundsätzlich jederzeit über dein Vermögen verfügen.
Du bestimmst Anbieter und ETFs.
Du kannst Sparraten verändern.
Du kannst verkaufen.
Du kannst das Geld für eine Immobilie verwenden.
Du kannst früher in den Ruhestand gehen.
Du kannst dein Kapital anders einsetzen, wenn sich dein Leben verändert.
Diese Flexibilität hat einen Wert.
Auch wenn dieser Wert nirgendwo als Prozentsatz ausgewiesen wird.
Gleichzeitig muss beim normalen Depot die steuerliche Behandlung der Kapitalerträge berücksichtigt werden.
Auch hier gilt deshalb:
Nicht einfach „ETF ist günstig“ sagen.
Rechnen.
Wo liegen die echten Vorteile des Altersvorsorgedepots?
Das neue Altersvorsorgedepot bringt einige klare Verbesserungen:
staatliche Förderung von bis zu 540 Euro Grundzulage jährlich
zusätzliche Kinderförderung
Kapitalmarktanlage ohne verpflichtende Beitragsgarantie
ETFs möglich
keine laufende Besteuerung innerhalb der Ansparphase
einfacheres Fördersystem
breiterer Kreis der Förderberechtigten
Auszahlungsplan statt zwingender lebenslanger Verrentung möglich
Teilkapitalauszahlung möglich
Anbieterwechsel wird erleichtert
Standarddepot mit Kostengrenze
bereits angekündigte extrem günstige Angebote wie das von Scalable Capital
Das ist deutlich mehr als einfach nur „Riester 2.0“.
Und wo liegen die Nachteile?
Auf der anderen Seite stehen:
langfristige Zweckbindung des Kapitals
kein vollständig freier Zugriff wie beim normalen Depot
mögliche Rückzahlung der Förderung bei schädlicher Verwendung
nachgelagerte Besteuerung
gesetzliche Vorgaben für die Auszahlungsphase
Besonderheiten bei Vererbung
mögliche Kosten teurerer Produktvarianten
Kostendeckel gilt nicht automatisch für jedes Angebot
Opportunitätskosten gegenüber steuerlich oder vertraglich besseren Alternativen
Der letzte Punkt ist für mich einer der wichtigsten.
Altersvorsorgedepot, ETF-Police oder normales ETF-Depot?
Genau diese drei Möglichkeiten werden künftig häufig miteinander verglichen werden.
Und ich halte wenig davon, einen pauschalen Gewinner auszurufen.
Altersvorsorgedepot
Staatliche Förderung, steuerbegünstigte Ansparphase und günstige ETF-Anlage können eine sehr starke Kombination ergeben.
Dafür gibt man Flexibilität auf und akzeptiert die Regeln der späteren Besteuerung und Auszahlung.
ETF-Police
Keine staatliche Zulage.
Dafür können bei einer entsprechend gestalteten Lösung erhebliche steuerliche Vorteile bei Auszahlung, Entnahme und Vererbung entstehen.
Die Qualität steht und fällt allerdings mit dem konkreten Tarif.
Eine teure oder schlecht konstruierte Police wird nicht dadurch gut, dass „ETF“ daraufsteht.
Normales ETF-Depot
Extrem günstig, transparent und maximal flexibel.
Dafür keine staatliche Zulage und eine andere steuerliche Behandlung der Kapitalerträge.
Auch hier gibt es also keinen automatischen Gewinner.
Ein Punkt, der mir bei der ganzen Diskussion zu kurz kommt: Kann ich dem System 30, 40 oder 50 Jahre vertrauen?
Du schließt heute ein Produkt ab, das gerade wieder als neue große Lösung der Altersvorsorge präsentiert wird. Aber wie sieht es in zehn oder zwanzig Jahren aus?
Riester war 26 Jahre lang der feuchte Traum der Versicherungswirtschaft. Staatlich gefördert, politisch gewollt, millionenfach verkauft und über Jahre als die große Lösung für die private Altersvorsorge präsentiert.
Heute ist das Modell praktisch erledigt.
Ab 2027 soll nun das Altersvorsorgedepot vieles besser machen.
Vielleicht tut es das auch.
Aber Altersvorsorge ist keine Entscheidung für ein paar Jahre. Du musst einer Lösung über Jahrzehnte vertrauen können – und gerade hier waren Branche und Politik in der Vergangenheit nicht immer ein Musterbeispiel für Beständigkeit.
Neue Produkte, neue Fördermodelle, neue Regeln, neue politische Ideen.
Und genau deshalb sehe ich hier keinen kleinen Schönheitsfehler, sondern einen klaren Nachteil geförderter Altersvorsorge:
Du machst einen Teil deiner Altersvorsorge bewusst von politischen Rahmenbedingungen abhängig.
Was heute gefördert wird, kann morgen verändert, eingeschränkt, neu geregelt oder durch das nächste Modell ersetzt werden.
Bei meiner ETF-Police ist genau dieses politische Fördersystem nicht der entscheidende Faktor. Die steuerlichen Rahmenbedingungen werden mit dem Abschluss festgelegt.
Das ist für mich nicht einfach nur ein Vorteil der Police.
Es ist vor allem ein struktureller Nachteil des geförderten Produkts.
Denn bei Altersvorsorge zählt nicht nur, was heute attraktiv aussieht – sondern worauf du dich auch in Jahrzehnten noch verlassen kannst.
Meine Einschätzung
Ich stehe staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten weiterhin kritisch gegenüber.
Nicht weil Förderung schlecht ist.
Sondern weil sie häufig dazu führt, dass Menschen aufhören, die gesamte Rechnung zu betrachten.
„540 Euro vom Staat.“
Das klingt greifbar.
Ein steuerlicher Nachteil in 30 Jahren dagegen nicht.
Eine eingeschränkte Verfügbarkeit des Vermögens lässt sich heute ebenfalls schwer in Euro ausdrücken.
Und Opportunitätskosten stehen auf keinem Kontoauszug.
Trotzdem sind sie real.
Genau deshalb finde ich das neue Altersvorsorgedepot diesmal durchaus interessant.
Der Wegfall der verpflichtenden Garantie ist richtig.
Die ETF-Anlage ist richtig.
Die Förderung kann attraktiv sein.
Und wenn Anbieter tatsächlich extrem günstige Lösungen auf den Markt bringen, wird eines der größten Probleme früherer Förderprodukte – hohe Kosten – zumindest teilweise entschärft.
Aber das macht die Alternativen nicht überflüssig.
Gerade eine steuerlich intelligent gestaltete ETF-Police kann bei langer Laufzeit durch ihre Möglichkeiten bei Auszahlung und Vererbung weiterhin erhebliche Vorteile besitzen.
Und für jemanden, dem maximale Verfügbarkeit wichtig ist, kann ein normales ETF-Depot wiederum die bessere Lösung sein.
Mein Fazit
Das neue Altersvorsorgedepot ist für mich ein echter Fortschritt.
Aber ich würde es genauso prüfen wie jede andere Altersvorsorge.
Nicht:
„Wo bekomme ich am meisten Förderung?“
Nicht:
„Was kostet nichts?“
Und auch nicht:
„Wo spare ich am meisten Steuern?“
Sondern:
Welche Lösung liefert mir unter meinen persönlichen Voraussetzungen langfristig das beste Ergebnis?
Dazu gehören Rendite und Kosten.
Aber genauso:
Steuern, Förderung, Vererbung, Flexibilität, Auszahlungsphase und Opportunitätskosten.
Denn ein kostenloses Produkt kann am Ende teuer sein.
Und ein Produkt mit Kosten kann wirtschaftlich trotzdem die bessere Entscheidung sein.
Entscheidend ist nicht der Preis des Produktes. Entscheidend ist der Preis der Entscheidung.
Stand: August 2026. Bei einzelnen Punkten der konkreten Produktumsetzung können sich bis zum Marktstart 2027 noch Änderungen ergeben.






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